Beschwerde 101

Wie man in Deutschland Medien herausfordert. Kenne deine Rechte. Gegen Misinformation und Verzerrung.

An welche Standards müssen sich die Medien halten?

Verleger und Rundfunkanstalten sind verpflichtet, sicherzustellen, dass ihre Inhalte den Standards entsprechen, die beispielsweise aus dem Pressekodex, dem Medienstaatsvertrag und dem Grundgesetz hervorgehen.

Die Nichteinhaltung dieser Standards kann zu einer Rüge, einer formellen Berichtigung oder Geldstrafen führen.

Was sind die am häufigsten verletzten Richtlinien in Bezug auf Bias?

Grundgesetz

Artikel 5 (1): Freiheit der Meinungsäußerung, der Presse und des Rundfunks

Medienstaatsvertrag

§ 6 (3): Vorgabe für ausgewogene und objektive Berichterstattung

Pressekodex

§ 1: Wahrhaftigkeit und Wahrung der Menschenwürde

§ 2: Sorgfalt

Beschwerden

Die Öffentlichkeit kann die Redaktion kontaktieren und verlangen, dass der Artikel korrigiert wird. Bei schwerwiegenderen Verstößen kann auch eine Entschuldigung gefordert werden.

Gleichzeitig kann sich die Öffentlichkeit an die zuständigen Aufsichtsbehörden oder -gremien wenden.

Unabhängige Presse

Die unabhängige Presse unterliegt dem Presserat, einem selbstauferlegten Aufsichtsrat, der nicht mit dem Staat verbunden ist und deshalb begrenzte Befugnisse hat. Beschwerden beim Presserat können innerhalb eines Jahres nach dem Veröffentlichungsdatum eingereicht werden.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten wie z.B. das ZDF oder der RBB werden Beschwerden intern bearbeitet, wobei eine Frist von drei Monaten ab Veröffentlichung des Berichts gilt. Für die tagesschau ist beispielsweise der NDR zuständig.

Private TV- und Radiosender werden von den Landesmedienanstalten, den Aufsichtsbehörden der einzelnen Bundesländer, überwacht.

Beschwerdekampagnen

Beschwerdekampagnen über Accountable Media haben schon über 20.000 Beschwerden bei Medien in Großbritannien und den USA eingereicht und erfolgreich Korrekturen gefordert. Wir schließen uns ihnen an und reichen Beschwerden direkt in den Redaktionen der deutschen Presse ein.

Jetzt beschweren

Warum Beschwerden?

Wenn wir offizielle Beschwerden einreichen, ermöglichen wir Redaktionen, ihre Berichterstattung zu korrigieren. Dadurch erkennen Journalist*innen und Institutionen ihre eigenen Vorurteile und können eine gerechtere Berichterstattung liefern, die alle Menschen wahrheitsgetreu und fair repräsentiert – so, wie es ihr Auftrag verlangt.

Aber nicht nur das.

Indem wir den Medien zeigen, dass wir ihre Arbeit beobachten und dokumentieren, erzeugen wir auch Druck, sich an journalistische Standards zu halten. Medien haben die Pflicht, Menschenrechtsverletzungen anzuprangern und Rechenschaft einzufordern. Beschwerden zeigen uns, wie bereit Medien sind, sich zu korrigieren.

Lasst uns sicherstellen, dass die Medien mit Fehlinformationen und Verzerrung nicht einfach durchkommen.

Die Kraft der Vielen

Unsere Stärke liegt im kollektiven Handeln. Indem wir gemeinsam Beschwerden einreichen, nutzen wir unsere Zahl, um Druck auf Medienorganisationen auszuüben, damit sie die Grundsätze des Journalismus einhalten und Korrekturen vornehmen.

Wenn eine Beschwerde an die Redaktion keine Wirkung zeigt, können wir die Medien wegen Verstößen gegen gesetzliche Vorschriften und ethische Richtlinien zur Rechenschaft ziehen.

Um sicherzustellen, dass ihre Berichterstattung sich an diese Standards hält, können wir Beschwerden bei den zuständigen Aufsichtsbehörden einreichen, um Untersuchungen zu ihrer Berichterstattung anzustoßen.

Konsequenzen in der Zukunft

Auch wenn die Auswirkungen nicht sofort spürbar sind, glauben wir, dass unsere Dokumentation in zukünftigen Rechtsverfahren gegen Medienhäuser und Einzelpersonen, die für systematische Verfehlungen verantwortlich sind, eine entscheidende Rolle spielen wird – etwa bei Mittäterschaft an Verbrechen, sei es durch die Herstellung von Zustimmung oder das Anstacheln zu Hass und Gewalt.

Ein wichtiges Beispiel hierfür ist der Völkermord an den Tutsi in Ruanda 1994, bei dem die Rolle der Medien später vor Gericht untersucht und verurteilt wurde.

1994 richtete die UN das Internationale Straftribunal für Ruanda (ICTR) ein, das 2003 den Leiter des Rundfunksenders RTLM, dessen Geschäftsführer sowie den Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Kangura wegen Völkermordes, Anstiftung zum Völkermord und Verfolgung verurteilte.

Anonyme Datenbank

Helft mit, die aktuelle einseitige Berichterstattung in deutschen Medien zu dokumentieren, und reicht Artikel bei unserer anonymen Datenbank ein.

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